Unser Mitglied Volker Oster ist auch im Geschichtsverein in Karlstein aktiv. Anläßlich eine Veranstalung anläßlich eines Stadtjubiläums wurden auch die Mitglieder des Geschichtsverein gefragt, ob sie einen kurzen, fünf minütigen Bericht beisteuern können. Diesem Ansinnen kam Volker gerne nach.
Der Geschichtsverein Karlstein ist unter https://gv-karlstein.de/ zu erreichen.
Den kurzen Artikel von Volker Oster können sie hier lesen.
König Ludwig I von Bayern genehmigte 1843 den Bau der Ludwig-Westbahn von Bamberg über Schweinfurt – Würzburg – Aschaffenburg zur Reichsgrenze bei Kahl.
Am 23. Januar 1845 war im Entwurf der Eisenbahn-Kommission zu ihrer Ausstattung mit Bahnhöfen und Haltestellen zwischen Aschaffenburg und Kahl nur Dettingen als Station geplant; sie sollte auch zur Versorgung von Alzenau, Ostheim und Seligenstadt dienen!
Hinweis: Bei der Bahn hieß es anfangs stets „Ostheim“ und nicht „Kleinostheim“.
Im März 1847 wurden in einer Bekanntmachung der Eisenbahn-Sektion Grundstücke in Dettingen und Ostheim benannt, die in die Bahntrasse fallen.
Der Vertrag zwischen dem Kurfürstentum Hessen und dem Königreich Bayern vom 7. Juni 1850 legte fest, daß die von Bayern geplante Ludwig-Westbahn bis zur Grenze bei Kahl gebaut wird und dort Anschluß an die Frankfurt-Hanauer-Eisenbahn bekommt.
Im Juli 1851 begannen Grunderwerbungen zum Bahnbau. Am 19. Juli 1851 wurden die vom Bau der Eisenbahn betroffenen 133 Dettinger Grundstückseigentümer ins Gemeindehaus geladen. Die Fläche, die von der Grunderwerbs-Kommission erworben wurde, betrug 14 Tagwerk und 91 Dezimale. Hierfür wurden 6.141 Gulden gezahlt.
Hinweise: - 1 Tagwerk = 100 Dezimale = 3.407,2709 m²
zusammen also: 50.802,409 m² ≈ 13 Fußballfelder
- 1 Gulden ≈ 13,40 Euro
Im Oktober 1851 begann der Bahnbau.
Die Gemeindeverwaltung Dettingen reichte im Dezember 1851 Beschwerde wegen dem Bau der Forchbachunterführung und dem Bahnübergang am Hörsteiner Weg ein. Die Klagen wurden abgewiesen.
1852 entstanden in Dettingen, Ostheim und Aschaffenburg Lagerplätze für die zum Streckenbau benötigten Materialien.
Im selben Jahr erfolgte der Bau des Dettinger Bahnhofgebäudes nach dem Masterplan der Architekten der Königlich-Bayerischen-Eisenbahnbau-Commission (namentlich Gottfried Neureuther) für 10.592 Gulden. Die Baukosten aller Baulichkeiten des Bahnhofs betrugen 14.000 Gulden 55 Kreuzer. Das Bahnhofsgebäude Ostheim ist baugleich.
Mit einer provisorischen Polizei-Vorschrift über den Schutz der Königlichen Eisenbahn und des Eisenbahnbetriebes wurden im Mai 1854 die Gemeinde-Vorsteher von Damm, Mainaschaff, Ostheim, Dettingen und Kahl unterrichtet, diese binnen 24 Stunden zu veröffentlichen.
Am 22. Juni 1854 wurde der Eisenbahnverkehr zwischen Aschaffenburg und Hanau eröffnet.
Gemäß dem 1. Fahrplan hielten in Dettingen und Ostheim täglich 4 Personenzüge in jede Richtung. Hinweis auf dem ersten Fahrplan: „Die für die Zwischenstationen angegebenen Abfahrtszeiten sind nur annähernd und (es) kann bis zu 10 Minuten früher abgefahren werden.“
1857 erhielt die Gemeinde Dettingen für zum Bahnbau abgetretene Grundstücke 250 Gulden. (Das Geld diente der Kriegsschuldentilgung aus napoleonischer Zeit!)
Ab 1860 wurden in den Gepäckwagen der Züge Toiletten eingebaut.
Ab 1. August 1869 wurden am Fahrkartenschalter 2 Tage gültige „Retour-Bilette“ von Dettingen nach Aschaffenburg für 45 Kreuzer (1. Klasse), 33 Kreuzer (2. Klasse) oder 24 Kreuzer (3. Klasse) verkauft.
1873 wurde das zweite Gleis von Aschaffenburg bis Kahl verlegt und ab 17. Mai 1873 in Betrieb genommen.
1880 wurden im Grundsteuerkataster Dettingen 127 Hausbesitzer aufgeführt; 23 davon waren Eisenbahnbedienstete.
1902 wurde der Dettinger Eisenbahnerverein gegründet.
1906 wurde das Anschlußgleis zur „Zeche Gustav“ gebaut. Ab 16. März 1907 pendelte die 180 PS starke Borsig-Dampflok vom Dettinger Bahnhof ins Bergwerk. Die „Bembel“ schleppte täglich bis zu 500 t Briketts zum Bahnhof.
1908 wurden große Kies- und Erdmengen aus der „Grube Gustav 1“ nach Frankfurt zum Bau des Ostbahnhofs geliefert: Täglich 80 bis 100 Güterwagen!
Am 9. November 1944 wurde der Dettinger Bahnhof von amerikanischen Jabos angegriffen und die Bahnhofswerkstatt zerstört.
Mit der Explosion eines Munitionszuges im Lindigwald am 29. März 1945 kam der Zugverkehr zum Erliegen; im Mai 1945 wurde er nach Wiederherstellung der Strecke wieder aufgenommen.
1953 wird in Dettingen ein elektrisches Gleisbildstellwerk gebaut – das erste auf der Strecke Hanau – Aschaffenburg!
1955 begannen zwischen Hanau – Aschaffenburg Elektrifizierungsarbeiten. Am 15. Januar 1958 fuhr der Eilzug 292 mit Girlanden geschmückt von Frankfurt nach Nürnberg um 11.20 Uhr durch Dettingen; auch der Gegenzug war mit einer E-Lok bespannt. Letzterem folgte ein Sonderzug mit vielen bayerischen Ehrengästen zum Festakt in Hanau.
1974 kam der Dettinger Bahnhof verwaltungsmäßig zum Bahnhof Kahl; es gab keinen Dettinger Bahnhofsvorsteher mehr.
Am 2. September 1976 wird der Bahnübergang Hörsteiner Straße für den Fahrzeugverkehr geschlossen (nur noch Fußgängerübergang) und gleichzeitig die Unterführung Frankenstraße dem Verkehr übergeben.
Am 5. Juli 1977 öffnet die Fußgängerunterführung Hörsteiner Straße und die Bahnschranke ist endgültig „zu“.
Ab dem 30. Januar 1984 wird der letzte schienengleiche, bewachte Bahnübergang „Posten 25“ durch automatische Fernüberwachung vom Bahnhof Dettingen gesteuert.
Im selben Jahr erfolgt der Stellwerksabriss am früheren Bahnübergang Hörsteiner Straße.
Am 24. Dezember 1991 schließt der Fahrkartenschalter Dettingen. Im Bahnhof ist nur noch der Fahrdienstleiter.
2008 wird der neue Bahnsteig am Gleis 3 gebaut und in Betrieb genommen.
2013 kauft die Gemeinde Karlstein das Bahnhofsgebäude.
2016 wurde die Güterhalle abgerissen.